Was ist Sünde? (2/2)

Schön, dass du vorbeischaust! Den 1. Teil haben wir mit der Feststellung beendet, dass es bei der Sünde im biblischen Kontext zunächst eher um eine Haltung geht als um einzelne Vergehen. Was heißt das nun?
Dazu ein weiterer Kommentar, der uns erreicht hat: „Gottes Waage ist wohl kaputt. Wenn jemand Kaugummi stiehlt, verdient er ewige Folterqualen in der Hölle? Menschliche Gesetze kennen Abstufungen der Strafe. Jemand, der Kaugummi stiehlt kommt vielleicht mit Bußgeld und Bewährung davon - ein Mörder wird weitaus härter bestraft. Bei Gott gibt es immer nur die Maximal-Strafe … Warum wird dann der Mörder freigesprochen, wenn er vor Gott bereut, und der Kaugummi-Dieb landet in der ewigen Folterkammer? Bei Gott scheint es mir, ist das Ziel nur Rache … Rache für Nicht-Anbetung."
Der Autor des Kommentars hat in einem Punkt vollkommen recht. Ginge es Gott um die Bestrafung jeder einzelner „Sünde“, dann wäre es tatsächlich äußerst ungerecht, wenn ein Kaugummi-Dieb gemeinsam mit einem Serienkiller in der „ewigen Folterkammer“ landen würde. Weiter schreibt der Kommentator, dass Gott nur aus Rache handelt, aber nicht für das Verbrechen - das scheint Gott ja ohnehin egal zu sein, da alle Verbrechen über einen Kamm geschert werden, sondern aus Rache für Nicht-Anbetung. Ist das wirklich so? Das wollen wir uns genauer anschauen:
Zwei Dinge stechen in dieser Aussage hervor:
- Gleichgültigkeit Gottes gegenüber dem „Verbrechen“, da alle Verbrechen über einen Kamm geschert werden
Im ersten Teil zum Thema „Was ist Sünde?“ haben wir mit der Feststellung geendet, dass es eben nicht um einzelne Vergehen geht, sondern Sünde vielmehr eine Haltung ist. Im Gegensatz zu unserem allgemeinen Sprachgebrauch, in dem wir häufig von einzelnen Vergehen sprechen, geht es hier darum, dass Sünde bedeutet, sich gegen Gott zu wenden, sich von ihm abzuwenden und sich über Gott erheben zu wollen. Einfach ausgedrückt: Wir entfernen uns von Gott und Sünde ist somit die Trennung von Gott. Es mag daher so scheinen, als würden alle Verbrechen über einen Kamm geschert werden. Was sich aber letztendlich dahinter verbirgt ist die Tatsache, dass wir alle Sünder sind, weil wir von Gott getrennt sind. Wir meinen, wir wüssten alles besser und machen unser eigenes Ding.
Die Gebote bzw. das Gesetz Gottes hat zwei Funktionen: Auf der einen Seite offenbart es das Wesen und den Willen Gottes und zeigt den Menschen, wie sie leben sollen. Auf der anderen Seite deckt es die Sünden und die Unfähigkeit des Menschen auf, diese Gebote zu erfüllen. Je besser wir Gott kennenlernen, desto deutlicher sehen wir auch, wie viel Schuld und Sünde wir uns aufgeladen haben. Diese Erkenntnis soll uns dazu bringen, unseren Glauben auf Jesus zu setzen, der für uns gestorben ist, damit wir errettet werden.
- Die ewige Folterkammer
Gott möchte keinen in die Hölle schicken. Wenn wir uns mit der Bibel auseinandersetzen und sie wirklich lesen, dann werden wir feststellen, dass Gott sich wünscht, dass jeder zu ihm findet, um bei ihm Vergebung und ewiges Leben zu finden. In 1. Timotheus 2,4-6 heißt, dass Gott möchte, „dass alle Menschen gerettet werden und die Wahrheit erkennen“. Weiter lesen wir, dass Gott Jesus als Vermittler zwischen uns und ihm eingesetzt hat. Er versichert uns, dass er „sich selbst als Lösegeld für alle ausgeliefert hat“. Wenn wir diese Texte lesen, dürfen wir sicher sein, dass Gott niemanden in der Hölle sehen möchte. Im Gegenteil, er hat uns einen Ausweg dafür geschenkt. Aber Jesus sagt auch: „Denn das weite Tor und der breite Weg führen ins Verderben, und viele sind dorthin unterwegs“ (Matthäus 7,13). Wenn Gott also nicht will, dass die Menschen in die Hölle kommen, warum tun es dann scheinbar so viele?
Der Philosoph J. P. Moreland sagt dazu: „Gott hat uns einen freien Willen geschenkt. Und er hat uns zu einem bestimmten Zweck geschaffen: um ihm und anderen liebevoll zu begegnen. Wenn wir immer wieder darin versagten, für den Zweck zu leben, für den wir geschaffen wurden ... dann wird Gott keine andere Wahl haben, als uns das zu geben, was wir die ganze Zeit in unserem Leben gewollt haben ... nämlich die Trennung von ihm.“
Es liegt somit an uns, wohin wir gehen. Er wünscht sich die Gemeinschaft mit uns, eine ganz persönliche Beziehung. Du entscheidest!
Daniela Bernhardt-Lohfink